„Worauf Sie sich im nächsten Jahr freuen können“…

Berlin Treptwo Regenbogen

…mit diesem Zitat des BZ-Titels vom 27. Dezember 2012 sei ein Einstieg in diesen Artikel gewagt. (Und eine Entschuldijung für den verspäteten „Neujahrsgruß“ – aber ick musste ja noch alle verpassten Folgen von Berlin Tag und Nacht nachholen, Wolle Thierse zum Schrippen-Eklat coachen und Wowi über den stoisch erhobenen Kopf streicheln…oder so… ;-))

Sein wa ma ehrlich

Nun, der gefühlten Wohnungsnot in Berlin wurde bereits im Frühjahr 2012 selbst von medialer Seite ein Attest des Faktischen verliehen. Ja, es wird eng in Berlin. Zum Jahresende wurde das Problem – längst fällig – immer intensiver verhandelt. Und auch ohne Statistiken, Expertenmeinungen und beiweihräucherndem Politiker-Schwadronierens ist jedem, der in Berlin lebt, klar: Dit wird nich einfacher – oder weniger polemisch: Der Grabenkampf um Berliner Wohnraum wird demnächst ALLE Schichten, vom Hartzer über den Studenten bis zur „Bionade Bourgeosie“ und „Öko Mittelschicht“ erreichen – und noch hässlichere Facetten der sogenannten Gentrifizierung hervorbringen. Prognose: Das Wort Wohnungsnot wird 2013 mindestens genauso oft im Gebrauch sein wie „Gentrifizierung“. Und die Fädenzieher…genießen unangetastet ihre einträgliche Ernte?

Spiel, Satz und Sieg im Berliner Immo-Markt

Berlin lockte schnell nach der Wende nicht nur weltoffene, sympathische, coole Menschen aus der ganzen Welt an, sondern weckte eben auch Begierden bei denen, die sich weniger für eine alternative Lebensweise in dieser einzigartigen, tollen Stadt interessierten, als vielmehr für ihr persönliches liebstes Lieblingsding im Leben: den Profit. Seither herrscht in Berlin Goldgräberstimmung. Das neo-liberale Tollhaus haben wir dabei natürlich den Heuschrecken/Immobilien-Pokerer etc. als quasi Exekutive zu verdanken. Die legitimierende Rolle, die dieses unsoziale, unmenschliche Treiben jedoch überhaupt  rechtskonform macht, nimmt die Gesetzgebung selbst ein. Von Wolfgang Nagel bis Junge-Reyer wurde aufm Verkaufsstisch gepackt, was ging und sich gut verkoofen ließ. Den zahlungskräftigen Investoren und Immo-Haien wurde Berliner Wohnraum nach ihrem Gusto vor die sabbernden Münder gehalten und juten Appetit gewünscht. Na klar, wurde und wird da ordentlich hingelangt, so schön billig und hip die Stadt doch ist! Potential hat dieses Berlin! Der Liegenschaftsfonds hat durch den absolut legitimierten Verkauf von landeseigenen Grundstücken ordentlich Kasse machen können. Is ja auch gut und notwendig für Berlin – wo das faule Jesocke doch eh nur vom Länderfinanzausgleich der fleißigen anderen zehren kann ;-) (sehr „nett“ übrigens auch hier unter dem Titel Bluten für die Hauptstadt vonner Süddeutschen zusammengefasst – näheres aus anderer Sicht gibts demnächst von dieser Seite).

Doch an sich gehört nach dieser zweiten Überschrift auch ein „?“ gesetzt, denn eine Nachricht ließ für mich einen kleinen, blassen Regenbogen am Berliner Mieterhimmel gedeihen. Abseits von diskussionswürdigen Vorschlägen wie dem Niedermähen und Neubebauen von Kleingartenanlagen oder der Bebauung von Freiflächen wie dem Tempelhofer Feld (hier ist halt auch unbedingt wieder die Frage angebracht, WELCHE Wohnungen dort entstehen sollen), hat sich ein mutiger Müller dem Kampf gegen echte Windmühlen gestellt: Michael Müller, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, will das Übel anner Wurzel packen – Investoren sollen zum Bau von Wohnungen verpflichtet werden, die für die Allgemeinheit nutzbar sind, um damit dem Business as usual entgegenzusteuern. Soweit so gut, zumindest aufm Papier hört sichs gut an. Und dann will Pankow, genauer das Bezirksamt Pankow, Luxussanierungen ab sofort unterbinden und auch die Nutzung von Wohnungen als profitable Ferienunterkünfte verbieten. Und selbst unser profitbetrunkener Senat besinnt sich seiner Verantwortung und hat das „Berliner Mieterbündnis“ ins Leben gerufen, um die städtischen Wohnungsbaugesellschaften bei der Erhaltung von bezahlbaren Mieten in die Pflicht zu nehmen (die sich wiederum naturgemäß stur stellen). Es sind gute Ansätze! Was in der Praxis draus wird, wird sich noch zeigen.

 Tja, ob sich also am Ende des Regenbogens vielleicht noch ein Goldtöpfchen finden lässt und vor allem wer, ob die breite Gemeinschaft oder die finanzkräftige Minderheit, letztendlich den Fund für sich beanspruchen kann und darf, das ja das is noch ne janz andre Geschichte, du…

Bis dahin erstma

Frohet Neuet!