Wasser auf die Mühlen …

Neukölln scheißt zurück - Steetart Berlin

…des Mietergemüts

Schon mal drüber nachgedacht, was das doch für ne tolle Sache ist, dass wir fließendes, warmes Wasser haben? Eigentlich denke ich ansonsten auch nicht viel drüber nach. Doch jetzt, wo es fehlt, fehlt es eklatant – verdammt! Der Vermieter scheint sich nen Anus dafür zu interessieren, dass ich seit zwei Tagen (müffel) nicht mehr duschen konnte, sondern wie es meine alte Biologielehrerin zu umschreiben pflegte, Kätzchenwäsche betreiben musste. Ohne Spucke, aber halt mit kaltem Wasser.

Das mag morgens ganz erfrischend sein, wenn man sich mit noch dreiviertel zugeschwollenen Augen aus dem Bett rauskrallt und den Bus 17 Minuten später nehmen will. Aber so ne warme Dusche nach nem arbeitsamen Bienchen-Tag, gerade wo’s doch draußen langsam eisi eisi wird, och doch yo, dit is schon ganz fesch. Korrigiere: Würde fesch sein. Dennnn…ich hab ja kein Warmwasser, auch nachdem (oder vielmehr obwohl) der liebenswerte Vermieter nach nem Anruf heut vormittag ganz doll versprochen hat, sich zu kümmern. Ich weiß nicht, was für trivialen Mist meinen Vermieter sonst so plagt (außer mir) – aber verdammt, mann – ick zahl doch Miete und dis nich zu knapp (leben ja schließlich in Awesome Börlin City, Baby ;-)).

Neukölln scheißt zurück

Als ich dann heute abend so murrig, frierend und vor mich hinmeckernd unter diese lauwarme Piss… – Entschuldigigung – Dusche steigen musste und die laukalten, feinen Wasserströme über meinen von Gänsehaut und Schüttelfrost gezeichneten Körper fließen ließ, war ich mit zwei Sachen beschäftigt: 1. Nicht zu kreischen und vor allem 2. über eins wieder mal nachzudenken: Sind wir als Mieter allgemein – und zunehmend kritisch in Berlin – wirklich sowas wie Bürger der unterpriviligierten Kaste, diejenigen mit weniger durchsetzbaren Anspruchsrechten? Denn eins ist mir in meinem Mieterleben in unterschiedlichen Wohnungen in Berlin immer wieder begegnet: Du wohnst, wie du verdienst – du verdienst, wie du verdienst. Wäre ich gut betuchter Mieter in einer gehobenen Stadtwohnung, hätte ich die Schufa-Auskunft, bei der Vermieter und Makler einen verliebten Augenaufschlag auftun, würde ich mich dann auch in dieser Bredouille befinden, dass in meiner Wohnung regelmäßig – kannste ne Uhr nach stellen – wenns kalt wird, auch die Heizeinrichtung kollabiert und immer wieder versagt (denn das war heute mitnichten das erste Beschwerde-Telefonat)? Oder würde sich der Vermieter besser um meine berechtigten und wichtigen Anliegen kümmern, wenn ich ihm auch mehr Geld für seine Diensterbringung geben könnte? Tja, in diesem einen bedeutenden, mehr als zwotausend Jahre alten Buch steht ja schon: Wer hat, dem wird gegeben…man könnte aber auch sagen: Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen!

Sicherlich gibt es da diese gesetzlich geregelten Mieterschutzgesetze…blabla…aber es fängt im realen Leben bei der Wohnungsbesichtigung an, bei welcher der Typ mit Hartz IV oder der Selbständige einfach keine Chance gegen den Typ mit I-Pad und Wow-Job hat – und hört bei solchen Unverschämtheiten, wie ich und viele andere Mieter sie erleben müssen, auf. Schmimmstenfalls endet der Scheiß dann noch in einer Zwangsräumung.

Glücklicherweise gibt es noch Fälle wie diesen, die Mut machen: Diese Woche wurde tatsächlich eine Zwangsräumung in Kreuzberg – vorerst – abgewendet.

Ich habe vorhin 12 Minuten das Shampoo einwirken lassen und saß in meiner halbgefüllten Badewanne mit dem aufm Herd gekochten Wasser. So lang wie’s eben ging – wer weiß schließlich (bis auf meinen Vermieter), wann ich mich mal wieder warm duschen kann? Das ist wie die Berliner S-Bahn hier … kaum weht ein kaltes Lüftchen, geht gar nix mehr. Und scheiß auf Kundenfreundlichkeit. Na, wenigstens musste ich noch nicht die Badewanne zwangsräumen …