Spreepark Reloaded – Der neue Superdeal?

Nun, man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben. Aber das Geschäft dieses Tages mutet erstmal ziemlich dufte an. Die Schagzeilen in Reinform:

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Und diese(s) Bild darf heute auch nicht fehlen

bild spreeparkbild

Der Preis ist heiß

Nanu liebe Bild-Zeitung, warum denn auf einmal so uninvestigativ – so geheim ist der Preis doch gar nicht.  Der Liegenschaftsfonds kaufte sich das Erbbaurecht laut den aktuellen Medienberichten für rund zwei Millionen Euro zurück. Angesichts des Ebay Top-Angebots von 1,6 Mio., das noch vor gut einem Monat im Netz die Runde machte, ist das ja vielleicht sogar fair? Angemessen? Vielleicht sogar ein heißer Deal? Hm. Nach den Privatisierungsobszessionen der letzten Jahrzehnte und Rückkauf-Pleiten war es in jedem Fall mal eine hoffnungsvolle Nachricht. Bam. Berlin ist noch da. Man schnüffelt ja fast ein bisschen Revoltestolz. Doch klar, sollte die gesunde Skepsis allem Enthusiasmus überlegen sein. Diese Frage erreichte uns also auch:

„Sehr unlogisch… wer zahlt jetzt was an wen ? Was ist mit dem Hauptschuldner Witte ?“

Berechtigte Fragen. Uli Nußbaum solls erstmal möglich gemacht haben – das Areal des ehemaligen Kulturparks samt dem Eierhäuschen, einem eindrucksvollen Bau der Jahrhundertwende, konnte vom Land zurückgekauft werden. Applaus. Applaus? Naja, der Pokergewinn hat so seine Makel – Auf dem Gelände lasten Schulden von 11 Millionen Euro. Der einstige Betreiber und Besitzer Norbert Witte hatte mit dem Park in den 90ern ein horrendes Konkursgeschäft gemacht. Dass sich der in Südamerika und Berlin inhaftiert gewesene, fast 60 Jährige und höchstwahrscheinlich mittellose Witte an irgendeiner Kredittilgung beteiligen kann bzw. dafür auch überhaupt belangt wird, ist ja eher zweifelhaft.

Die noch berechtigtere Frage: Was passiert nach dem Rückkauf?

Ist das das Happy End? Wird die vergessene Welt im Plänterwald vom Märchenprinzen aus seinem Dornröschenschlaf geküsst? Wird es ein sanftes Wachküssen oder eine stürmische Triebattacke? Und wer ist überhaupt dieser Märchenprinz? Die Frage nach dem „Wer zahlt denn jetzt dafür?“ kann nur mit der Frage gestellt und beantwortet werden, was denn so richtig am Ende jetzt, wirklich noch mit dieser bisher unbebauten „Brache“ passieren wird.

Das Land Berlin könne jetzt frei über das Grundstück verfügen, die für September angesetzte Zwangsversteigerung ist damit auch vom Tisch. Vage Pläne sprechen von der Sanierung und Umwandlung des maroden Geländes in einen Freizeit- und Kulturpark für die gesamte Bevölkerung. Alles erstmal keine schlechten Nachrichten.

Aber: Ist das alles wirklich DIE gute Nachricht?

Denn, man merke sich auch hier – man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben.  Wird das Land, das investiert hat, das hochverschuldete, vom Flughafendesaster und anderen Finanzabgründen gebeutelte Berlin nicht letztenendes gezwungen sein, das Areal möglichst ökonomisch nutzbringend an den vermögenden Mann/die Frau zu bringen? Ja, klar ist es so. Auch der Bebauungs- und Nutzungsplan sieht einen Verkauf oder eine Verpachtung des Geländes vor. Doch bis die Gebote eingehen, sagen wir erstmal immer noch: Schöne Sache. Eier gezeigt. Deal gemacht. Ein Stück Stadt (zunächst) zurückerobert. Muss man auch mal sagen. Trotz gesunder Skepsis. Und außerdem ists ja jetzt irgendwie schon abends. Und da loben wir diesen Tag dann doch mal.

Gute Nacht.

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