Give a Shit about the Poor?

Der Umgang mit Armut, Obdachlosigkeit und sozialem Elend verläuft makabrerweise gerade in der gutsituierten „westlichen“ Welt meistens nach Schema „F“ ab – routiniert und im „Fuck off“ Modus.

Wie oft ist man einfach nur genervt, wenn der Typ mit der Obdachlosenzeitung die S-Bahn mit seinem „Entschuldijen Sie die Störung…“ beschallt oder ein „Penner“ um Almosengeld („is ja bestimmt eh nur für Schnaps“) bittet. Um das Gewissen zu beruhigen, hat man ja schließlich noch dieses „Abo für die armen Kinder in der Dritten Welt“ oder gibt dann doch mal nen Euro. Und so lässt sich dann auch der Shoppingausflug angenehmer gönnen, denn uns selbst gönnen wir doch immer gerne was.

Ganz schön zynisch, wa…In einer Welt, in der Empathie und Mitgefühl fast schon zu Euphemismen zählen, schockt es dann auch nicht mehr allzu sehr, wenn man von Gesetzen in Florida liest, nach denen Obdachlosen „zwecks öffentlicher Ordnung & Sauberkeit“ die Decken konfisziert werden sollen oder sich gelangweilte Idioten-Kinder in der Mode der „Obdachlosen Selfies“ üben. Weil ist geil, leider. Über sowas kotzt der erhabene Gutmensch in uns natürlich Ethik-Bäche der Empörug. Dann gibts ne Petition. Finden wir gut. Unmöglich sowas, Schluß damit! Und dann…was ist die Konsequenz für unser eignes Handeln?

Ein Sozialexperiment wagt sich an den Versuch: Wie reagieren die Leute, wenn man mit einem großen „Fuck the Poor“ Plakat für weniger Armuts-Input im eigenen Wahrnehmungsfeld wirbt?
Ihr werdet staunen…..

 

4 Kommentare

  1. Der Selfie-Trend scheint ja wie immer an mir vorbeigerauscht zu sein. Die mit den schlafenden Unwissenden sind schon ziemlich mies, aber bei den wachen Welchen, da weiß ich garnich, ob ich das nun schlimm finde. Denn es ist eine Art der Zuwendung (wenn auch womöglich aus egoistischen, narzistischen Motiven heraus, aber hey, das sind ooch nur Unterstellungen wie Mutmaßungen) und neben Heim und Geld mangelt es doch vor allem in der Außenseiterstellung an sozialer Wärme. Mal ein Lächeln, statt die ganzen Leute, die einem nicht einmal in die Augen schauen, wenn man die eigene Notlage erklärt und um Geld oder Lebensmittel bittet. So ein Wort, Lächeln oder eben der kurze Kontakt über ein gemeinsames Foto trägt einen dann über einige Stunden des Alltags in Unsichtbarkeit und Ablehnung. Find ich das jetzt traurig? Ändert es was an dem sozialen Problem an sich? Hat das was von Prostitution? Keine Ahnung – aber es zaubert ja scheinbar doch mal kurze Lächeln…

    1. Ja, ich weiß, was du meinst. Aber es bleibt doch ein wirklich bitteres Geschmäckle bei sowas, die Motivation ist doch entscheidend – und die resultiert nicht aus Menschenliebe und Zuwendungsgefühl, sondern eben aus einer narzistischen Grundhaltung und die gedeiht gerade uns, den es materiell (verhältnismäßig) ziemlich gut geht, an. Dass sich jemand über diese Art von „Zuwendung“ eventuell freut, sehe ich eher als Attest dafür, dass uns in dem Punkt die grundlegende Empathie abhanden gekommen ist. Und so lange es Nachrichten wie diese aus einer Welt wie dieser gibt (http://laist.com/2014/04/11/people_take_selfies_with_suicidal_m.php), ja, da bleibe ich zumindest bei dieser pessimistischeren Einschätzung

  2. wenn man, wie hier in berlin, oft auf schritt und tritt angebettelt wird – meistens von mitgliedern organisierter bettlerbanden aus rumänien – kann einem das mitgefühl schon auf dauer vergehen.

    ich gebe deshalb auf der strasse schon lange nichts mehr, sondern unterstütze projekte die armen helfen direkt.

    1. Ja, das ist wohl war – ich selbst nehm mich da auch nicht raus. Gleichermaßen finde ich es wichtig, sich auch dem kritischen Spiegelbild zu stellen. Das sind wir, so ist eben unsere Gesellschaft. Spenden ist allerdings natürlich begrüßenswert – sich eben auch den „Sinn behalten“ für Mitgefühl. Die wachsende Schere Arm-Reich, hier in Berlin, in Deutschland, in der Welt wird man – so wenigstens die Hoffnung – nur durch einen Mentalitätswechsel auf allen Ebenen, in ihrer gefährlichen Dynamik aufhalten können.

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