Shopping-News deluxe: Berliner Spreepark bei ebay Kleinanzeigen

Leute, kratzt euer Kleingeld zusammen, oder naja – plündert vielmehr eure Aktienvorräte und Hedgefonds, dieses Angebot ist ins Netz gegangen:

Kein Witz: Für 1,62 Milliönchens lässt sich der nunmehrige „Spreepark“ im Treptower Plänterwald jetzt und für alle ersteigern. Egal ob du gieriger Investor, ostalgischer Kulturbewahrer oder gelangweilter Millionär mit einem Spleen für überdimensionierte, persönliche Spielplätze bist – ran da, denn bis jetzt hat sich noch kein Interessent gemeldet…

Der seit vielen Jahren außer Betrieb stehende, hoch verschuldete, ehemalige „Kulturpark Plänterwald“, gehört nicht nur optisch durch seinen düster-romantischen Verfall, sondern auch historisch bedingt zu einem der anziehendendsten, mysteriösesten Flecken Berlins. Der dunklen Vergangenheit, die teils wie ein Krimi anmutet, entspricht auch die Gegenwart der Besitz- und Verwaltungsrechte, die ebenfalls im Dunkeln liegen.

Hier das Angebot in anschaulicher Vollständigkeit für euch. Die Story dazu weiter unten.

gspreepark berlin auf ebay kleinanzeigen

 Unternehmer aus Schwaben ist Anbieter

Verwunderlich ist hier erstmal: Hinter dem Angebot bei der Verkaufsplattform steht nicht etwa der derzeitige Eigentümer – das ist der Liegenschaftsfonds Berlin, sondern die „eg Schmidt Projektentwicklung“. Sitz des Unternehmens ist Hartheim in Baden-Württemberg. Inhaber Ernst Gerd Schmidt sagte unterdes beim Berliner Kurier, dass er zwar nicht der Besitzer sei, aber den Park „vor dem Chaos retten“ wolle. Es sei sein Job, als Projektentwickler die Vermittlerrolle zwischen Investoren und in diesem Fall dem Land Berlin zu übernehmen. Und noch mehr bedauere er, dass so ein großes Gelände mit so viel ökomoischem Potential brach liege.

Schaffe, Schaffe Parkle baue?

Der Schwäbische Pragmatismus trifft hier mal wieder ins Schwarze Loch des Bebauungs- und Verwaltungsmanagements in Berlin. Nachdem sich der Senat nach vielen Jahren des Nichtkümmerns darin versuchte, den Park zuletzt im Sommer 2013 an den zahlungskräftigen Mann zu bringen, wurde die Versteigerung noch im letzten Moment unterbrochen. Ein externer Bieter und Investor tauchte auf und drohte, den Senat zu überbieten. „Es geht uns darum, die Möglichkeit zu haben, die Zukunft des Geländes zu gestalten“, sagte damals eine Sprecherin der zuständigen Finanzverwaltung. Und das ist auch ein wichtiger Ansatz – wieder mal, wenn es um die Erschließung von bisher ökonomisch nicht genutzten Freiflächen in Berlin geht.
Wird hier das ökomische Potential, das auch den Bieter bei ebay zum Aktionimsus berief; die attraktive Lage am Spreeufer und die Verknappung von Bauflächen in Berlins Innestadt, dazu führen, dass das Unumgängliche mit dieser „Brache“ passiert – Werden auch hier letztendlich wieder „exklusive“ Eigentums-Areale stehen, die Geld in die maroden Kassen spülen, aber zu denen auch nur wenige mit Geld eine Eintrittskarte lösen können?

Dunkle Geschichte – düstere Zukunft?

Wer sich mal mit der Geschichte des Spreeparks beschäftigt, der begibt sich auf eine Achterbahnfahrt mit hohem Spannungspotential. Der VEB Kulturpark Berlin wurde 1969 auf einer Fläche von rund 30 Hektar eröffnet, bis zu DDR Zeiten erreichte der Park eine jährliche Besucherdichte von ca. 1,7 Millionen Menschen. Doch nach der Wende war nix mehr so richtig klar. Der Kulturpark sollte vom Senat an die Spreepark GmbH verkauft werden, doch hatten die Zuständigkeiten in der Verwaltung nicht den Background des Käufers, Norbert Witte, genügend in Erfahrung gebracht.

Dieser war aufgrund eines dramatischen Rummel-Unfalls in Hamburg bereits in den 80er Jahren in öffentliche Kritik geraten und hatte mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Gar nicht gut, denn die schrittweise Umgestaltung des Parks kostete nochmal viele Millionen. Ab 1999 wurden die Verschuldung prekär, die Spreepark GmbH und hatte mit dem Land Berlin ein Erbbaurechtsvertrag abgeschlossen, infolge dessen Berlin mit einer Grundschuld von ca. 24 Millionen Euro für den Unternehmer Witte bürgte. 2001 dann die Insolvenz – Familie Witte setzt sich mit ihren Fahrgeschäften nach Südamerika ab – es kam zum Kokain-Skandal mit anschließender Verurteilung des Witte Sohns auf 20 Jahre Gefängnis….wow, ein Krimi durch und durch. Die ganze Geschichte in Chronolgisch gibt´s wie immer en Detail bei Dr. Wiki nachzulesen.

Seitdem fand sich immer mal wieder der eine oder andere Investor, der dem Senat das ungeliebte Kind Spreepark mit großen Visionen und steilen Sümmchen abnehmen wollte. Bisher bekanntermaßen ohne nachhaltiges Konzept. Vor kurzem wurde nun auch ein neuer Termin für eine Versteigerung im September bekannt.

Heute ist der Park immer am Wochenende geöffnet, dann können die Besucher den „lost place“, der auch in vielen Touristenführern angepriesen wird, besuchen. Für Viele, wie für uns, die wir den Park tatsächlich noch in seiner Ursprünglichkeit, als Kinder erleben durften, für uns, denen „Spuk unterm Riesenrad“ und andere glitzernde Erinnerungen an die goldeneren Zeiten des „Rummels im Plänterwald“ etwas Greifbares bedeuten – für uns ist der „Spreepark“ eben mehr als ein vor sich hinrottender „lost place“, der – Schwabe bewahre – ohne ökonomischen Zweck vor sich hinrottet…Es ist eine Schande, ja, dass sich so halbherzig darum gesorgt wird, WER am Ende den Zuschlag kriegt und WAS am Ende damit passieren wird. Wir hoffen, dass der „Ebay Gag“ (es fühlt sich einfach nur skurril an) nicht die Vorausdeutung für die Zukunft dieses Stücks andersartigen Berlins ist. Baut Wohnungen, ok – aber für alle, nicht für wenige, die sich den unverbauten Spreeblick im romantischen Grün etwas kosten lassen können. Kümmert euch, dass nicht alles verbaut wird – das auch dieses Stück (ungeliebte) Geschichte und „Ostalgie“ ihren verdienten Stellenwert erhalten darf.

Und an euch alle, die ihr noch nicht da wart – macht schnell, bevor der Ebay-Hammer endgültig gefallen ist.

An dieser Stelle droppen wir zum Finale mal ein Video von unserem Homie Sido. Nicht weil der ehemalige Maskenmann in unserer heimischen Musikbar an sich einen generellen Platz findet, aber weil dieses seelen-nackig machende Emo-Video vom Räbber Sido im Spreepark gedreht wurde. Und dabei sind echt n paar schöne Stimmungsbilder entstanden, die der Faszination dieses verwunschenen, fast vergessenen Berlins fast gerecht wird. Spreepark, ja, auch du: ein Teil. Von uns.

Lasst die Deals beginnen…

 

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