Wie sich Airbnb in San Francisco immer unbeliebter macht

Das Geschäft mit Ferienwohnungen in Ballungsräumen stößt auf Kritik. In San Francisco will man jetzt über eine Begrenzung abstimmen. Darauf antwortet die Marketing-Abteilung des Marktriesens mit einer fragwürdigen Posteraktion. Startklar für den Shitstorm …

San Francisco hat wie Berlin ein gravierendes Problem, das mittlerweile auch die Mittelschicht stärker betrifft: Es mangelt an bezahlbaren Wohnungen. Und dann boomt auch noch das Geschäft mit der Vermietung des wenigen Wohnraums an Feriengäste. Annoncen wie diese sind keine Seltenheit mehr:

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Zelt im Garten. Scheint auch noch als FeWo durchzugehen.

Na klar, große Nachfrage und geringes Angebot begünstigen üppige Geschäftsmodelle. Gegen Höhenflüge dieser Art und die Zweckentfremdung von Wohnraum im Allgemeinen wollen sich die Kalifornier jetzt stärker wehren. Ein Bündnis von Mietern und Vermietern will im November über eine gesetzlich festgelegte Regulierung abstimmen lassen. Als Marktführer im Bereich der privaten FeWo-vermarktung antwortet das in San Fran gegründete Unternehmen Airbnb darauf mit einer 8 Millionen-schweren Marketingkampagne und hat sich den Berater des früheren US-Präsidenten Bill Clinton ins Boot geholt.

Die neue Posteraktion ging jedoch irgendwie volles Rohr nach hinten los.  Mit der Ansprache „Liebes San Francisco“ oder „Liebe Bibliotheken“ entwickelte Airbnb ein passiv-aggressiv wirkendes Werbekonzept, das den Leuten ziemlich sauer aufstieß. Die öffentliche Hand solle die 12 Millionen Dollar, die das private Wirtschaftsunternehmen Airbnb an Hotelsteuern abführen muss, doch wenigstens sinnvoll ausgeben.

Airbnb poster san francisco
Hey, Bibliotheken – macht mal nicht so früh zu! Haben ja immerhin gezahlt. LG Airbnb

air b n b poster 2Eine Assistenzprofessorin an der Uni in San Franciso hatte den Unmut in einem Facebook-Post zusammengefasst und die gereizt formulierte Aufrechnung von Airbnb richtiggestellt. von den 12 Millionen Dollar Steuern würden nur etwas über ein Prozent in das Bibliothekswesen fliessen; auf die Mitarbeiter verrechnet wären das nur 78 Cents pro Tag und Angstellten. Da sollte Airbnb doch lieber die 8 Millionen Dollar, die in misslungenen Wertbekampagnen stecken, für den öffentlichen Raum – und z.B. in die angesprochenen Bibliotheken investieren.

Oder eben auch in Projekte, die Perspektiven gegen Wohnraummangel in San Francisco elaborieren. Airbnb hat sich mittlerweile für den Marketing Fail entschuldigt und angekündigt, die Poster so schnell wie möglich wieder zu entfernen.

via wired

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